Anzeiger für Lehrte u. Burgdorf 18.4.2008 Bericht über Sitzung des Jugendhilfeausschusses Junge Lehrter greifen oft zur Flasche Präventionsrat wertet Pfeiffer-Studie aus Ob Cannabis, Alkohol oder Zigaretten – junge Lehrter greifen überdurchschnittlich oft zu Suchtmitteln: Das ergibt die Auswertung einer Studie aus dem Jahr 2005. Nun werden Wege zum Gegensteuern gesucht. Von Renate Brämer
Lehrte. Ein Zwölfjähriger wird mit einer lebensgefährlichen Alkoholvergiftung in eine Klinik eingeliefert, er ist nicht ansprechbar: Der Jugendhilfeausschuss hat sich zu Beginn seiner Sitzung am Dienstag bestürzende Filmsequenzen angeschaut. Aus gutem Grund: Das Thema „Saufen, bis der Arzt kommt“ hat in der Stadt traurige Brisanz. Das hat der Präventionsrat bei der Auswertung einer Studie aus dem Jahr 2005 festgestellt. „Lehrte hat überdurchschnittliche Konsumquoten bei Suchtmitteln“, sagte Stadtrat Uwe Bee.
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hatte 16 000 Schüler in die Untersuchung einbezogen, die Auskunft über Gewalterfahrungen, Schulschwänzen und Medienkonsum geben sollte. Beteiligt waren Großstädte wie München, kleinere Kommunen wie Lehrte und auch die Landkreise Peine und Soltau-Fallingbostel. Beim Griff zu Alkohol, Zigaretten und Cannabis belegen Lehrter Jugendliche jeweils vordere Plätze.
Der Griff zur Flasche nehme bei jungen Menschen dramatisch zu, bestätigte Lehrtes Polizeichef Ulrich Bode. Mit unguten Folgen: Ein Drittel der ermittelten Täter bei gefährlichen Körperverletzungen seien schon Kinder und Jugendliche, fast ebenso hoch sei ihr Anteil bei Sachbeschädigungen. Politiker, Stadt, Polizei und Präventionsrat wollen dieser Entwicklung nun gegensteuern. Das sei nötig, obwohl es in Lehrte zahlreiche Projekte zur Suchtprävention gibt, sagte Jürgen Witzmann, Vorsitzender des Präventionsrats. Das Gremium will die Eltern stärker mit ins Boot holen. Bode schlug eine Begrenzung der Ausschankzeiten bei Festen vor: „Von 2 bis 4 Uhr saufen nur noch die ganz Harten.“ Auch fördere es das Verantwortungsbewusstsein von Eltern, wenn sie für den Heimtransport ihrer betrunkenen Kinder von der Polizei zur Kasse gebeten würden. Jugendpfleger Dietmar Zimmeck verwies auf Konzepte, bei exzessivem Konsum schnell einzugreifen: „Der Suchtberater kommt gleich ins Krankenhaus.“ Bee kündigte an, die Stadt werde sich frühzeitig auf Schützenfeste vorbereiten. Erfolge beim Kampf gegen den Alkoholmissbrauch gebe es immerhin beim Eindämmen des Flatrate-Saufens.
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